Giftige Chefs kosten Geld

8. April, 2021 Allgemeines

Prof. Dr. Christina Hoon führt seit September 2015 den Stiftungslehrstuhl für BWL, insb. Führung von Familienunternehmen an der Uni Bielefeld. Wie viele andere, bekannte Familienunternehmen in OWL auch, unterstützt die HorstmannGroup den Lehrstuhl, um die Region und die Managementforschung zu unterstützen. Frau Prof. Dr. Hoon ist Mitglied des Beirates der Jürgen Horstmann Akademie und beschäftigt sich mitunter zur Bedeutung „guter“ Führung. Ihre aktuelle Studie wurde von vielen Medien und überregionalen Zeitungen aufgegriffen.

Interview zum Thema gute Mitarbeiterführung   

Eine „Gute Führungskultur“ schreiben sich viele Unternehmen auf die Fahne. Aber was ist eigentlich „gute“ Mitarbeiterführung? Was ist „schlechte“ Mitarbeiterführung und was sind die Folgen? Und was müssen Führungskräfte dazu lernen?

Was hat Ihre aktuelle Studie zur Mitarbeiterführung untersucht?

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt von drei Universitäten konnten wir zeigen: Schlechte Führung ist toxisch und belastet gleichermaßen Arbeitszufriedenheit und Performance. Chefinnen und Chefs, die ihre Leute anschreien, durch Bemerkungen kränken oder ignorieren, richten einen großen Schaden an. Denn destruktives Verhalten von Führungskräften ist „toxisch“ und belastet nicht nur das Führungsklima, sondern auch das Arbeitsklima und die Unternehmensperformance.

Wie viele Mitarbeiter/innen sind von „schlechter“ Führung betroffen und was sind die Folgen für Beschäftigte?

Insgesamt zeigt unsere Studie, dass nur jeder 5. Beschäftigte ein schlechtes Führungsverhalten am Arbeitsplatz erlebt. Allerdings kommt in 85% der Unternehmen destruktives Führungsverhalten („Abusive Supervision“) vor, 21% der Unternehmen verfügen sogar über ein ausgesprochen toxisches Führungsklima. Die aktuelle Studie macht deutlich, dass destruktive Führungsverhalten bei Beschäftigten zu Unzufriedenheit, Stress, verminderter Arbeitsleistung führt und zu einer geringen Bindung ans Unternehmen.

Destruktive Führung verschlechtert das Klima nachweislich. Unternehmen mit schlechtem Führungsverhalten werden als Arbeitgeber negativer bewertet. Wo das destruktive Verhalten häufiger vorkommt, wirkt sich das auf die Gesamtbewertung aus.

Färbt schlechte Führung auf der oberen Managementebene auf die darunter liegenden Führungskräfte ab?

Toxische Führung im oberen Management vergiftet die gesamte Führungskultur. Destruktives Führungsverhalten ist toxisch, denn es überträgt sich von der Management-Ebene aus auf die unteren Hierarchieebenen. Wenn auf höheren Hierarchieebenen „Abusive Supervision“ stattfindet, zeigen auch Führungskräfte der unteren Ebenen eher feindseliges Führungsverhalten. Es ist zu erkennen, dass schlechtes Führungsverhalten einen großen Schaden anrichtet, denn Einzelne können mit ihrem schlechten Führungsverhalten das Führungsklima des gesamten Unternehmens vergiften.

Gelten die Ergebnisse gleichermaßen für Familien- und Nicht-Familienunternehmen?

Familienunternehmen leiden weniger unter toxischer Führung. Destruktive Führung ist den Wissenschaftlern zufolge in Familien- und Nicht-Familienunternehmen ähnlich stark ausgeprägt; doch es richtet in Familienunternehmen weniger Schaden an. Wir führen diesen Effekt auf die Besonderheiten von Familienunternehmen wie bspw. die Weitergabe von Führungskultur innerhalb der Unternehmerfamilie und weniger starre Hierarchien zurück. Dieser Puffereffekt soll jedoch Familienunternehmen nicht dazu bringen, schlechte Führungskräfte zu ertragen oder sogar zu ignorieren. Die Investition in professionelle Führungskräfteprogramme ist in Familienunternehmen genau so zentral wie für Nicht-Familienunternehmen.

 

Welche Empfehlungen leiten Sie aus Ihren Studienerkenntnissen ab?

Viele mittlere oder größere Unternehmen haben mittlerweile Führungsleitlinien formuliert. Die klingen zwar super, suggerieren aber auch, dass in der Führungswelt alles in Ordnung ist. Daher sollten Unternehmen vielmehr prüfen, ob und wie dieses „normative Selbstbild“ von Führung tatsächlich auf den Arbeitsalltag einwirkt. Damit einher geht die Frage, ob Unternehmen Sanktions- oder Anreizsysteme für „gute Führung“ etabliert haben und „schlechte Führung“ konsequent geahndet wird. Schlechte Führung zu ignorieren, oder sogar auszusitzen, ist allerdings nicht der richtige Weg. Unternehmen sollten für sich an guter Führung arbeiten und in ihre Führungskräfte investieren.

Die Studie wurde durchgeführt von: Prof. Dr. Christina Hoon (Universität Bielefeld), Jun. Prof. Dr. Kai Bormann (Universität Bielefeld), Dr. Michael Graffius (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin), Dr. Christopher Hansen (Universität Trier), Die Daten wurden von Kununu.com für wissenschaftliche Zwecke bereitgestellt.

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